Abenteuer Unternehmensgründung in Spanien

 

Seit 2010 gibt es meine Firma nun schon. Wobei, Firma zu sagen ist eigentlich gar nicht korrekt, war sie am Anfang doch lediglich ein Gewerbe. Zu Beginn vier Jahre lang in Deutschland, anschließend in Spanien. “Autonomo” nennt sich der Einzelunternehmer hier.

 

Nun bin ich in der glücklichen Lage, dass das Gewerbe Jahr für Jahr gewachsen ist. Ein guter Zeitpunkt um auf eine spanische GmbH, die sogenannte Sociedad Limitada (S.L.) umzustellen. Die Vorteile liegen auf der Hand: die Haftung ist auf das Firmenkapital beschränkt, so muss nicht mehr mein komplettes Hab und Gut unter den Hammer, sollte etwas schief gehen. 

 

Zudem lassen sich so im kleineren Rahmen auch Steuern sparen. Beispielsweise kann ich nun Geld einfach in der Firma lassen und zahle auf den Gewinn jährlich 25% Steuern. Erst bei der Entnahme werden nochmal 19% fällig. Als Einzelunternehmer muss man jedes Jahr den kompletten Gewinn entnehmen und versteuern.

Warum nicht gleich ins Steuerparadies?

Falls sich jetzt jemand fragt, warum ich mein Online-Unternehmen nicht gleich nach Hong Kong, Malta oder sonst irgendein Steuerparadies verlege: so einfach ist das leider nicht. Erstens sind solche Konstrukte meistens illegal, wenn man nicht auch vor Ort wohnt.

 

Dazu kommt, dass ich es moralisch für mich auch nicht vertretbar halte. Ich genieße die Vorzüge einer äußerst guten Infrastruktur in Barcelona (z.B. kostet eine Metrofahrt nur 1 €). Deswegen finde ich es auch richtig und wichtig hier meine Steuern bezahlen. Auch wenn das manchmal extrem nervt! 

Zu früh gefreut

Der Plan war ab dem 1. Juli 2017 das komplette Business über die S.L. laufen zu lassen. Nach zahlreichen Terminen mit dem Steuerberater und einem weiteren Termin beim Notar dachte ich eigentlich, dass alles bereit ist:

Ich konnte zwar wie geplant am 1. Juli starten, was aber noch fehlte war die endgültige Steuernummer für die EU - die Número de Identificación Fiscal a efectos del IVA. Mit dieser Nummer ist es z.B. möglich, dass mir mein Übersetzer aus Frankreich eine Rechnung stellt, die keine Umsatzsteuer enthält. Ein sehr angenehmes und unbürokratisches System. 

 

Leider ist es in Spanien nicht ganz so einfach an diese Nummer zu kommen, da scheinbar einiger Unfug damit getrieben wird. Für mich ist die lange Wartezeit natürlich extrem blöd, da wir unsere Leistungen zu 95% exportieren.

 

Glücklicherweise kann ich die bestehende Steuernummer meines Autonomo Gewerbes noch weiternutzen. Das sorgt zwar für Chaos in der Buchhaltung, lässt mich aber wenigstens die Rechnungen stellen. Was ein komplett neues Unternehmen macht, das auf diese Nummer angewiesen ist, weiß ich nicht. Gerade am Anfang benötigt man nichts mehr als Cash Flow - keine Rechnungen stellen zu können, ist dann ein ernsthaftes Problem.

 

Das Finanzamt darf sich bis zu 3 Monate Zeit lassen, was ein echter Irrsinn ist. Wie sich ein Land, das so sehr auf neue Unternehmen angewiesen ist, ein so ineffizientes System leisten kann, finde ich schon erstaunlich. 

 

Interessant waren auch die Reaktionen in der deutschen Unternehmergruppe auf Facebook:

 

Hingehen und Terz machen, wird also empfohlen. Das werde ich nächste Woche doch gleich mal ausprobieren. Nach vier Wochen Urlaub müssten bei Finanzamt jetzt ja alle tiefenentspannt sein.

 

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